Bildung mit und für die Region gestalten

Was passiert, wenn Studierende aus acht Fakultäten gemeinsam mit sechs Praxispartnern, universitären Fachexperten und aktiven Bürgern an den Bildungsherausforderungen der Region arbeiten? Die Antwort lautet: Sie sind unwahrscheinlich produktiv! Den Beweis dafür lieferte die RegioELF-Summer School, die vom 27. bis zum 31.08.12 unter dem Motto „Bildung – eine regionale Herausforderung?!“ an der UDE stattfand.

Das außergewöhnliche Konzept der Summer School machte die Teilnehmenden nicht nur zu Beteiligten, sondern direkt zu Handelnden - so konnten Einrichtungen aus der Region ihre Bildungsherausforderungen vor Ort gemeinsam mit Studierenden diskutieren. Universitäre Experten ergänzten das erforderliche Bildungsverständnis durch gezielte Fachvorträge. Auf dieser Grundlage entwickelten Bürger und Studierende im Anschluss bereits konkrete Lösungsansätze. Dies machte die Summer School zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung: sie setzte auf die intensive Kooperation zwischen Uni und Zivilgesellschaft, damit sich die beteiligten Partner gezielt durch ihr Wissen und ihre Erfahrungen ergänzen.

Die Ergebnisse der RegioELF-Summer School wurden direkt an die Fallgeber aus der Praxis übergeben: Die Lösungsvorschläge reichten von den Zugangsmöglichkeiten zu Orten der Bildung (z.B. Haus der jüdischen Kultur, Alte Synagoge) über Empfehlungen zur partizipativen Belebung von Stadtquartieren (Quartier Lionweg, Essen-Bergerhausen) bis hin zu neuen Bildungsangeboten ("Kulturkunde" als Lernangebot für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen, RAA Duisburg).Um die Ergebnisse auch langfristig für die ganze Region nutzbar zu machen, werden diese zusätzlich in den Stadtentwicklungsprozess "Essen.2030" eingebracht.

Auch für den strategischen Dialog zwischen Hochschule und Zivilgesellschaft setzte die Summer School einen wichtigen Impuls: So betonte der geladene Oberbürgermeister der Stadt Essen, Reinhard Paß, die Bedeutung von Bildung als wichtige Ressource für die Region. Die Prorektorin für Diversity Management, Professorin Dr. Ute Klammer, unterstrich die Rolle der Kooperation zwischen Uni und Zivilgesellschaft:

Umgesetzt wurde die Summer School im Rahmen des Programms RegioELF (Engagement durch Lehre und Forschung für die Region) in Kooperation mit dem Praxispartner VKJ e.V. (Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten). RegioELF wird von UNIAKTIV, dem Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung, und dem Prorektorat für Diversity Management der Universität Duisburg-Essen durchgeführt. Die Summer School setzte inhaltlich an die Ergebnisse der RegioELF Auftaktveranstaltung "UniRegio" an, auf der bereits im letzten Jahr von Vertretern aus Hochschule und Zivilgesellschaft an einem gemeinsamen Bildungsverständnis gearbeitet wurde. Der Nachfolger der RegioELF-Summer School ist schon in Planung: Beim nächsten Mal werden Hochschulangehörige und Bürger gemeinsam das Thema "Nachhaltigkeit" auf der RegioELF-WinterSchool im Februar 2013 bearbeiten.

 

 


Experten

Mark Becker ist Projektleiter von "Chance hoch 2 - Das Förderprogramm für Bildungsaufsteiger/-innen". Das Projekt „Chance hoch 2“ begleitet und unterstützt Schüler aus nicht-Akademiker-Familien ab der 9. Klasse bis zum ersten Universitätsabschluss. Den Schülern wird dabei eine Förderung durch Mentoren sowie ein Stipendium zuteil. Ziel von „Chance hoch 2“ ist die Erhöhung des Anteils von Abiturient/-innen sowie Hochschulabsolvent/-innen aus Familien ohne akademische Erfahrung. Mark Becker spricht zum Thema Bildungsherausforderungen aus kommunaler bildungspolitischer Sicht.

Oliver Kern ist Geschäftsführer des VKJ (Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V.). Der VKJ begreift sich als Anwalt von Kindern, Jugendlichen und Familien in sozial benachteiligten und problematischen Lebenslagen. Seine Arbeit verfolgt das Ziel, allen Kindern, Jugendlichen und Familien Chancengleichheit zu ermöglichen. Oliver Kern spricht zum Thema Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung unter dem Titel: „Was Kinder wirklich brauchen ist ein hoher Anspruch.“

Isabell Insel ist Mitarbeiterin bei Ruhr/init e.V. Der Verein Ruhr/init e. V. wurde zur Förderung der Aus-, Fort-, und Weiterbildung gegründet. Er arbeitet auf die berufliche und soziale Integration von behinderten und sozial benachteiligten Menschen hin. Der Verein entwickelt individuelle, bedarfsgerechte und differenzierte Hilfeangebote, um Eigenverantwortung zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Die Zielgruppen sind Jugendliche, Menschen mit Kindern, Menschen mit Handicap und Erwachsene. Isabell Insel spricht über Bildungsherausforderung aus der Perspektive sozialer Einrichtungen.

Dr. Anja Pitton ist Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Duisburg-Essen (ZLB). Das ZLB erarbeitet die für die Lehrerbildung an der UDE relevanten Leitlinien, entwickelt Methoden zur Qualitätssicherung in der Lehrerbildung und unterstütz die jeweiligen Fakultäten bei Forschungsvorhaben, die die Lehrerbildung betreffen. Dr. Anja Pitton spricht im Expertenteam mit Frank Diehr und Dr. Dirk Scholten-Akoun (ZLB) unter dem Titel „Critical Incidents“ zum Thema spezieller Herausforderungen der Schulbildung.

 


Exkursionen

Lion Treff des Magnet Ruhrgebiet e.V.
Der Lion Treff ist ein Nachbarschaftstreff, der es den Bewohnern der umliegenden Nachbarschaft ermöglichen soll ein Netzwerk untereinander aufzubauen und von Kompetenzen anderer Menschen zu profitieren. Betrieben wird der Lion Treff vom Magnet Ruhrgebiet e.V. Der Verein existiert seit 2007 und arbeitet vor allem für die Förderung beruflicher Perspektiven von am Arbeitsmarkt benachteiligter Menschen.

Referat zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien/RAA Duisburg
Das RAA Duisburg unterstützt die Arbeit der Bildungsinstitutionen mit jugendlichen Migranten. Sie berät und begleitet aber auch Kinder und Jugendliche sowie Eltern und Multiplikatoren dort, wo es um Einstieg in einen neuen Lern- oder Ausbildungsort geht. Die RAA entwickelt und erprobt Angebote zur Elternbildung, Sprachlernkonzepte für alle Altersstufen, Programme zur interkulturellen Öffnung und Projekte zur sozialräumlichen Förderung. Sie berät und qualifiziert pädagogische Fachkräfte und Multiplikatoren in der Bildungsarbeit.


BildungsPunkt Essen
Der Bildungspunkt ist eine Kooperation des Vereins Weiterbildung im Revier e.V. (W.I.R. e.V.), der Stadt Essen und der Universität Duisburg-Essen. Im Bildungspunkt werden Bürger beraten, die Fragen zur Bildung und Weiterbildung haben. Die drei Kooperationspartner haben im BildunsgPunkt ihre jeweils eigenen Schwerpunkte. Der W.I.R. e.V. informiert über berufliche Weiterbildung und ist zertifizierte Bildungsscheck- und Bildungsprämienberatungsstelle. Die Stadt Essen beantwortet Fragen zur allgemeinen, politischen und schulischen Bildung und Weiterbildung, zum Übergang Schule-Beruf und zu Auslandsaufenthalten. Die Universität Duisburg-Essen schließlich informiert über Studienmöglichkeiten und weitere Angebote der UDE für interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Alte Synagoge
Die Alte Synagoge ist das Haus der jüdischen Kultur in Essen und das Kulturinstitut der Stadt Essen. Das Baukunstwerk aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts beinhaltet Ausstellungen zur jüdischen und deutsch-jüdischen Geschichte sowie zur jüdischen Kultur der Gegenwart. Geboten werden außerdem Führungen, Vorträge und spezielle Lernangebote, allen voran für junge Menschen, die die Alte Synagoge zu einem Ort des lernen über die jüdische Kultur machen.

TÜV Nord Bildung
TÜV Nord Bildung ist das Weiterbildungszentrum des TÜV und bietet Bildungs- und Personaldienstleistungen für Unternehmen, Privatkunden und öffentliche Auftraggeber. Ziel des TÜV Nord Bildung ist die zukunftsorientierte Kompetenzentwicklung von Fach- und Führungskräften. Der TÜV Nord Bildung verfügt über eines der größten Bildungsangebote Deutschlands.